• Susanne Krauss

Erinnerung an ein ganz besonderes Sternenkind


Bitte lies diesen Artikel nur, wenn du im Moment kein Kind erwartest und / oder dich stark genug fühlst.)


Manche haben es aktuell in meiner Instagram-Story vielleicht schon gesehen:

Ich habe heute wieder einen Erinnerungsblumenstrauß bekommen, für einen kleinen Sternenjungen, den ich bereits vor drei Jahren fotografieren durfte.


Und da sitze ich nun, in dem ganzen (gestern noch bejammerten) Arbeitsstress, der mir so unwichtig erscheint, angesichts der Empfindung, wie unglaublich unbedeutend meine Betriebsamkeit gegen das ist, was immer wieder wirklich zählt:

Innehalten.


Genau deshalb möchte ich genau jetzt(!) wenigstens ein paar Minuten innehalten, trotz allem, und die Geschichte dieses kleinen Jungen erzählen:


…Die Zeit um die Sommersonnenwende ist die Zeit, in der dieser Junge geboren wurde. Meine Lieblingszeit des Jahres.

Er hat am selben Tag Geburtstag, wie mein bester Freund.

Ich war auf der Geburtstagsfeier, als das Handy klingelte. Die Klinik ist nur 10 Minuten von meinem Zuhause entfernt, und ich machte mich sofort auf den Weg.

Und während in einem verwilderten, sommerlichen Garten mit vielen Freunden im Glimmen der Glühwürmchen das Fest eines wilden, wunderbaren Lebens gefeiert wurde, saßen in einem stillen, spärlich beleuchteten Zimmer in einer Klinik verzweifelte Eltern, die kein Leben in Empfang nehmen durften.

Die Verzweiflung war so spürbar, dass mir das Zimmer dunkler in Erinnerung blieb, als er war.

Der kleine Mann war reif geboren, aber sein Herz hatte bereits im Bauch einfach aufgehört zu schlagen.


Wie redeten nicht viel.

Die Haut des kleinen Jungen war ein wenig versehrt; so ist es oft, wenn es schon eine Weile her ist, dass die Seele gegangen ist.

Ich erzählte den Eltern davon, in der Hoffnung, dass sie den Anblick dadurch, dass es bei vielen Kindern so ist, vielleicht leichter ertragen könnten.

Ich kann mich noch an das verständnisvolle Nicken des Vaters erinnern, er wirkte abwesend in diesem ohnmächtigen Schmerz, aber er war bemüht, alles zu verstehen.


Ich kann mich an die Tränen der Mutter erinnern, die ihren Sohn schützend im Arm hielt wie einen kleinen Vogel, der aus dem Nest gefallen ist. Ich kann mich daran erinnern, wie ihr die Tränen ohne einen Laut über ihre Wangen liefen und dass ich mir selbst hilflos vorkam, angesichts dieser Situation, die kein Fünckchen Hoffnung in sich trug.


Ich habe etliche Einsätze davor gehabt, und leider auch etliche danach, und sehr viele Einsätze waren sehr ähnlich.

Und manchmal, wenn ich wieder auf irgendeinem Fest eingeladen bin, und jemand mitbekommt, dass ich in Einsatzbereitschaft für ein Sternenkind bin, dann fragt man mich:

„Warum machst du das?

Warum fotografierst du Sternenkinder, wenn dieser Moment doch der hoffnungsloseste und traurigste Moment im Leben dieser Menschen ist?“

Und ich antworte:

„Weil in der hoffnungslosen Trauer die riesengroße Liebe zu diesem Kind steckt.

Und weil es nur wenige Stunden gibt, um diese Liebe für immer auf einem Bild festzuhalten.“


Genau an diese Liebe möchte ich in diesen lichten, sonnenwarmen Sonnwend-Tagen erinnern.


Tagen, an denen die Sonne am höchsten steht und am meisten Licht in die Herzen aller Eltern fällt, die ihr Kind verloren haben.

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